Montag, 16. März 2015

5 Licht-Tipps für professionelle Objektfotografie

Dieses Tutorial richtet sich an Einsteiger in die Objektfotografie und soll zeigen, wie man mit minimalem technischen und finanziellen Aufwand erste Erfahrungen in der Objektfotografie und (semi-)professioneller Beleuchtung sammeln kann.
Als Beleuchtung kann man eigentlich fast alle Lichtquellen benutzen, egal ob Kerzen, Taschenlampen oder Fensterfronten mit Tageslicht. Doch die verschiedenen Beleuchtungselemente haben alle ihre Vor- und Nachteile, die man kennen sollte, um das Licht zu finden, das den eigenen Vorstellungen für das Endergebnis entspricht.

1. Tageslicht allein reicht meistens nicht

Wenn man sich darauf beschränken möchte, sein Objekt nur mit Tageslicht auszuleuchten, sollte man sich vorher etwas klarmachen: Natürliches Licht erfordert für ausreichende Beleuchtung eine längere Belichtungszeit, weshalb also z.B. Portrait- und Tieraufnahmen wegfallen, da das Licht nicht hell genug ist, um ausreichend kurze Verschlusszeiten zu erreichen. Man bewirkt so meist Bewegungsunschärfe und keine optimale Ausleuchtung. Außerdem erreicht man so gut wie nie wirklich weiße Hintergründe, wenn auf zusätzliche Beleuchtung verzichtet wird. Tageslicht an sich sollte zur Ausleuchtung nur bei bedecktem Himmel genutzt werden, zu starke oder direkt Sonneneinstrahlung kann zu harten Schlagschatten führen.

2. Auf Schatten, Reflexionen und Spiegelungen achten!

Wie gelingt es am besten, das gewünschte Motiv so auszuleuchten, wie man es sich vorstellt? Die richtige Beleuchtung eines Gegenstandes erfordert ein gewisses Gespür für Reflexionen und Schattenbildung, wie sich die bestimmten Lichtverhältnisse im Objekt auswirken und so das Gesamtbild beeinflussen.

Weil es vor allem in der Fotografie um das Zusammenspiel von Licht und Schatten geht und auch um Reflexionen und Spiegelungen, haben wir eine Flasche als Beispiel-Motiv genommen, um diese Aspekte klar herauszustellen. 

Wir beschränken uns hier erst einmal auf zwei Lichtquellen. Verwendung findet eine Softbox (die man sich auch mit ein wenig Geduld und Geschick selber bauen kann) und ein Westcott Ice Light. Dazu kann man natürlich noch Blitze, Schreibtischlampen, Deckenleuchten etc. verwenden.

Die Softbox dient vor allem zur flächigen Beleuchtung der Objekte, während man das Ice Light optimal dazu nutzen kann, verschiedene Aspekte "ins rechte Licht" zu rücken bzw. das Augenmerk des Betrachters darauf zu lenken.






Setup: Icelight links vorne, Softbox rechts vorne und höher
Setup: Icelight links vorne, Softbox rechts gleiche Höhe,  näher dran


3. Zweite Lichtquelle - worauf sollte man achten?

Wer diese Nachteile des Tageslichts vermeiden möchte und seine Ausleuchtung unabhängig vom Sonnenstand und Wetter machen möchte, benötigt künstliche Beleuchtung. Natürlich müssen es nicht direkt die teuersten Studiolampen sein, man kann auch mit der Beleuchtung, die man zu Hause findet, einiges bewirken.
Für kleinere Objekte eignen sich zum Beispiel Schreibtischlampen gut, man kann sie flexibel aufstellen und mit anderen Leuchten kombinieren, wie beispielsweise einer Taschenlampe, mit der man gut einzelne Teile oder Lichtpunkte beleuchten kann. Allerdings sind Schreibtisch- bzw. Taschenlampen nicht für die Studiofotografie gebaut, weshalb sie oft ein sehr hartes Licht und demzufolge auch harte Schatten werfen.
Wenn man verschiedene Leuchtmittel einsetzen möchte, sollte man unbedingt darauf achten, die Lampen mit den gleichen Leuchtmitteln auszustatten damit die Farbtemperatur gleich bleibt. Man sollte also keine Glühlampen mit LED-Lampen mischen, jede Leuchtquelle wirft ein anderes Licht auf das Objekt und es können so mehrfarbige Schatten auftreten.

Für eine professionellere Ausleuchtung der Objekte kommen dann Studiolampen zum Einsatz, wie z.B. eine Softbox. Außerdem kann man auf Tageslichtlampen oder Blitzgeräte zurückgreifen. 
Weiches Licht erreicht man hier durch Diffusoren, Reflektoren und Durchlichtschirme.

Icelight rechts seitlich etwas höher, Softbox vorne links

Setup: identisch. Das Licht wirkt bei unterschiedlichen Oberflächenstrukturen immer anders, hier hilft oft ausprobieren und neue Einstellungen versuchen.

Setup: Icelight rechts vorne gleiche Höhe wie Softbox vorne links.




4. Schattenwurf gezielt setzen oder vermeiden.

Bei jeder Szene, jedem Objekt ist es wichtig, die Ausleuchtung genau auszurichten, damit das Endergebnis so wird, wie man es sich vorstellt. Dabei kommt es natürlich vor allem auf die Anordnung der Lampen in der Szene, aber auch untereinander an.
Besonders am Anfang ist es ratsam, sich viel Zeit für die richtige Ausleuchtung zu nehmen, da man nur durch Erfahrung, Übung und Ausprobieren mit der Zeit ein Gespür dafür bekommt, wie man das Licht für seine Zwecke einsetzen und stimmungsvoll nutzen kann. 

Je geringer der Abstand zwischen Motiv und Lampe, umso heller wird das Motiv und umso härter ist auch der Schatten, der geworfen wird. Wenn das Objekt also nicht so stark ausgeleuchtet werden soll bzw. weichere Schatten werfen soll, einfach mal die Lampe(n) etwas vom Objekt wegbewegen.
Auch die Länge der Schatten kann man ganz einfach beeinflussen, denn je höher die Lichtquelle über dem Objekt positioniert ist, desto kürzer wird der Schatten und je weiter seitlich das Licht aufgestellt ist, umso länger. Dasselbe Prinzip kann man z.B. an einer Sonnenuhr sehen, die sich eben diesen Schattenwurf zu Nutze macht. Wenn man also Schatten komplett vermeiden möchte, sollte man von beiden Seiten die gleichen Lichtquellen mit der gleichen Stärke exakt links und rechts gegenüber positionieren. Das Objekt wird von beiden Seiten gleich stark beleuchtet, die Schatten der jeweils anderen Lampe werden automatisch aufgehoben.





5. Die Oberflächenstruktur des Objekts beachten.

Jedes Objekt, das ausgeleuchtet wird, reflektiert und absorbiert Licht in unterschiedlicher Stärke und Intensität. Wie genau ein Objekt auf die Beleuchtung reagiert, ist ganz unterschiedlich und wird am besten im nachfolgenden Beispiel deutlich. Das Setup der Beleuchtung bleibt unverändert, wir nehmen nur drei von der Struktur, Form, Beschaffenheit und Farbe unterschiedliche Objekte:

Setup: Icelight rechts vorne, Softbox oben zentral

Setup: identisch. Die Lichtwirkung ist hier aufgrund der Oberflächenstruktur deutlich anders.

 

Setup: identisch. Vor allem der starke Schlagschatten fällt hier auf, der z.B. bei der Flasche mit dem gleichen Licht wegfällt.




Für dieses Tutorial kam zum Einsatz:


erstellt von Isabelle Bommes
Alle Bilder © Isabelle Bommes
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1 Kommentar:

  1. Hallo, zuerst einmal ein großes Lob für die ausführliche Beschreibung zum Thema Produktfotografie. Habe soeben den kompletten Blog durchgelesen. Obwohl ich mich schon länger mit der Produktfotografie beschäftige, war trotzdem die ein oder andere Information und guter Tipp dabei, den ich Zukunft beachten werde. Vielen Dank für die hilfreichen Tipps! Weiter so!

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