Mittwoch, 18. März 2015

Sonnenfinsternis fotografieren - aber richtig!

 
Am Freitag, den 20. März kann man in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis beobachten. Zwischen 9:21 und 9:38 ist es so weit - der Mond tritt vor die Sonne und das Spektakel kann man bis ca. 12 Uhr beobachten, wobei die maximale Abdeckung von ca. 70-80% der Sonne durch den Mond zwischen 10:34 und 10:47 zu erkennen ist. 
Wir haben für euch ein paar Tipps und Tricks zusammengestellt, damit ihr dieses Ereignis auf Bild festhalten könnt und nicht bis zur nächsten Sonnenfinsternis warten müsst.

Der richtige Schutz 

Das Wichtigste zuerst: Man sollte weder mit den Augen noch mit der Kamera direkt in die Sonne gucken, da das menschliche Auge sowie der Kamerasensor durch die intensive und ungefilterte Sonnenstrahlung bei Langzeitbelichtungen beschädigt werden können.

Beim Liveview-Modus der Kamera ist zwar das Auge geschützt, allerdings nicht der Sensor der Kamera. Auch dann wenn man „nur“ in den Liveview-Bildschirm der Kamera schaut arbeitet der Kamerasensor und kann durch das gebündelte Sonnenlicht des Teleobjektives zerstört werden. Deshalb solltet ihr unbedingt einen Neutraldichtefilter (ND-Filter) für eure Objektive benutzen, damit eure Ausrüstung nicht beschädigt wird. 

Variabler ND-Filter



Der richtige Ort

Um den richtigen Platz zu finden, von dem aus ihr die Sonnenfinsternis ablichten könnt, sucht ihr euch am besten einen Tag vorher zur gleichen Zeit einen Platz aus, von dem aus ihr die Sonne gut im Blick habt und sie nicht nach ein paar Minuten hinter ein paar Bäumen oder einer Häuserwand verschwindet.
Die Sonne sollte idealerweise nicht in 5 Minuten hinter der nächsten Häuserwand verschwinden.

Die richtige Ausrüstung

Um die Sonnenfinsternis gut einfangen zu können, benötigt ihr ein Tele- oder im besten Fall  Supertele-Objektiv (z.B. das Nikon 80-400mm f/4.5-5.6  oder Canon 100-400mm f/4.5-5.6). Weitwinkel-Objektive würden die Sonnenfinsternis nur als kleinen Punkt am Himmel erkennen lassen, mehr nicht. Ab einer Brennweite von ca. 300mm solltet ihr die Sonnenfinsternis gut einfangen können. Außerdem ist für solche Aufnahmen ein stabiles Stativ Pflicht. Auch ein Fernauslöser für wackelfreie Bilder ist hier natürlich zu empfehlen.

Tele- oder Supertele-Objektive mit hoher Brennweite

Die richtigen Einstellungen

Die Lichtempfindlichkeit (ISO) sollte möglichst gering gehalten werden, ideal ist eine ISO von 100-200. Bei der Belichtungszeit solltet ihr euch ein paar Minuten Zeit nehmen und ausprobieren, was für euch richtig ist. Da sich die Belichtungszeiten je nach Positionierung der Kamera, Wetterbedingungen etc. richten, solltet ihr ein wenig ausprobieren, mit welcher Belichtungszeit ihr arbeiten wollt. 
Bei kurzen Belichtungszeiten von ca. 1/125 bis 1/2.0000 Sek. kann man die Protuberanzen erkennen, bei langen Belichtungszeiten kann man die Korona festhalten. Die Einstellungen sollte man immer wieder im Live-View kontrollieren und abstimmen, da sich die Lichtsituationen kontinuierlich ändern. 
Die Blende sollte zwischen f/8 und f/11 liegen, da sollte man auch am besten vorher ein paar Bilder machen um das auszuprobieren. 

Fokus auf unendlich ausrichten


Der richtige Fokus

Beim Fotografieren solltet ihr auf jeden Fall auf den Autofokus verzichten! Schaltet bei eurer Kamera auf manuelle Fokusierung und stellt den Fokus manuell auf unendlich, damit ihr sicher sein könnt, dass der Fokus richtig eingestellt ist.
Da sich dieses Naturspektakel über mehrere Stunden hinzieht, solltet ihr auch genügend Speicherkarten und Ersatzakkus eingepackt haben. 

auch Telekonverter/Extender können super zum Einsatz kommen

Fazit 

Wenn man ein paar Sachen im Voraus bedenkt, sich eine geeignete Stelle aussucht um das Naturspektakel abzulichten, die eigene Ausrüstung und Augen mit ND-Filter und Live-View schützt und ein Stativ sowie Teleobjektiv eingepackt hat, steht der Sonnenfinsternis-Fotografie nichts mehr im Wege.  

Wer noch schnell Ausrüstung benötigt, kann diese gerne bei uns leihen, z.B.: 
Canon Tele-Objektive
Canon Supertele-Objektive
Nikon Tele-Objektive
Nikon Supertele-Objektiv

Extender/Telekonverter für Canon-Objektive
Extender/Telekonverter für Nikon-Objektive

Stative/Speicherkarten/ND-Filter und sonstiges Zubehör
 

erstellt von Isabelle Bommes
Alle Bilder © Isabelle Bommes

Montag, 16. März 2015

5 Licht-Tipps für professionelle Objektfotografie

Dieses Tutorial richtet sich an Einsteiger in die Objektfotografie und soll zeigen, wie man mit minimalem technischen und finanziellen Aufwand erste Erfahrungen in der Objektfotografie und (semi-)professioneller Beleuchtung sammeln kann.
Als Beleuchtung kann man eigentlich fast alle Lichtquellen benutzen, egal ob Kerzen, Taschenlampen oder Fensterfronten mit Tageslicht. Doch die verschiedenen Beleuchtungselemente haben alle ihre Vor- und Nachteile, die man kennen sollte, um das Licht zu finden, das den eigenen Vorstellungen für das Endergebnis entspricht.

1. Tageslicht allein reicht meistens nicht

Wenn man sich darauf beschränken möchte, sein Objekt nur mit Tageslicht auszuleuchten, sollte man sich vorher etwas klarmachen: Natürliches Licht erfordert für ausreichende Beleuchtung eine längere Belichtungszeit, weshalb also z.B. Portrait- und Tieraufnahmen wegfallen, da das Licht nicht hell genug ist, um ausreichend kurze Verschlusszeiten zu erreichen. Man bewirkt so meist Bewegungsunschärfe und keine optimale Ausleuchtung. Außerdem erreicht man so gut wie nie wirklich weiße Hintergründe, wenn auf zusätzliche Beleuchtung verzichtet wird. Tageslicht an sich sollte zur Ausleuchtung nur bei bedecktem Himmel genutzt werden, zu starke oder direkt Sonneneinstrahlung kann zu harten Schlagschatten führen.

2. Auf Schatten, Reflexionen und Spiegelungen achten!

Wie gelingt es am besten, das gewünschte Motiv so auszuleuchten, wie man es sich vorstellt? Die richtige Beleuchtung eines Gegenstandes erfordert ein gewisses Gespür für Reflexionen und Schattenbildung, wie sich die bestimmten Lichtverhältnisse im Objekt auswirken und so das Gesamtbild beeinflussen.

Weil es vor allem in der Fotografie um das Zusammenspiel von Licht und Schatten geht und auch um Reflexionen und Spiegelungen, haben wir eine Flasche als Beispiel-Motiv genommen, um diese Aspekte klar herauszustellen. 

Wir beschränken uns hier erst einmal auf zwei Lichtquellen. Verwendung findet eine Softbox (die man sich auch mit ein wenig Geduld und Geschick selber bauen kann) und ein Westcott Ice Light. Dazu kann man natürlich noch Blitze, Schreibtischlampen, Deckenleuchten etc. verwenden.

Die Softbox dient vor allem zur flächigen Beleuchtung der Objekte, während man das Ice Light optimal dazu nutzen kann, verschiedene Aspekte "ins rechte Licht" zu rücken bzw. das Augenmerk des Betrachters darauf zu lenken.






Setup: Icelight links vorne, Softbox rechts vorne und höher
Setup: Icelight links vorne, Softbox rechts gleiche Höhe,  näher dran


3. Zweite Lichtquelle - worauf sollte man achten?

Wer diese Nachteile des Tageslichts vermeiden möchte und seine Ausleuchtung unabhängig vom Sonnenstand und Wetter machen möchte, benötigt künstliche Beleuchtung. Natürlich müssen es nicht direkt die teuersten Studiolampen sein, man kann auch mit der Beleuchtung, die man zu Hause findet, einiges bewirken.
Für kleinere Objekte eignen sich zum Beispiel Schreibtischlampen gut, man kann sie flexibel aufstellen und mit anderen Leuchten kombinieren, wie beispielsweise einer Taschenlampe, mit der man gut einzelne Teile oder Lichtpunkte beleuchten kann. Allerdings sind Schreibtisch- bzw. Taschenlampen nicht für die Studiofotografie gebaut, weshalb sie oft ein sehr hartes Licht und demzufolge auch harte Schatten werfen.
Wenn man verschiedene Leuchtmittel einsetzen möchte, sollte man unbedingt darauf achten, die Lampen mit den gleichen Leuchtmitteln auszustatten damit die Farbtemperatur gleich bleibt. Man sollte also keine Glühlampen mit LED-Lampen mischen, jede Leuchtquelle wirft ein anderes Licht auf das Objekt und es können so mehrfarbige Schatten auftreten.

Für eine professionellere Ausleuchtung der Objekte kommen dann Studiolampen zum Einsatz, wie z.B. eine Softbox. Außerdem kann man auf Tageslichtlampen oder Blitzgeräte zurückgreifen. 
Weiches Licht erreicht man hier durch Diffusoren, Reflektoren und Durchlichtschirme.

Icelight rechts seitlich etwas höher, Softbox vorne links

Setup: identisch. Das Licht wirkt bei unterschiedlichen Oberflächenstrukturen immer anders, hier hilft oft ausprobieren und neue Einstellungen versuchen.

Setup: Icelight rechts vorne gleiche Höhe wie Softbox vorne links.




4. Schattenwurf gezielt setzen oder vermeiden.

Bei jeder Szene, jedem Objekt ist es wichtig, die Ausleuchtung genau auszurichten, damit das Endergebnis so wird, wie man es sich vorstellt. Dabei kommt es natürlich vor allem auf die Anordnung der Lampen in der Szene, aber auch untereinander an.
Besonders am Anfang ist es ratsam, sich viel Zeit für die richtige Ausleuchtung zu nehmen, da man nur durch Erfahrung, Übung und Ausprobieren mit der Zeit ein Gespür dafür bekommt, wie man das Licht für seine Zwecke einsetzen und stimmungsvoll nutzen kann. 

Je geringer der Abstand zwischen Motiv und Lampe, umso heller wird das Motiv und umso härter ist auch der Schatten, der geworfen wird. Wenn das Objekt also nicht so stark ausgeleuchtet werden soll bzw. weichere Schatten werfen soll, einfach mal die Lampe(n) etwas vom Objekt wegbewegen.
Auch die Länge der Schatten kann man ganz einfach beeinflussen, denn je höher die Lichtquelle über dem Objekt positioniert ist, desto kürzer wird der Schatten und je weiter seitlich das Licht aufgestellt ist, umso länger. Dasselbe Prinzip kann man z.B. an einer Sonnenuhr sehen, die sich eben diesen Schattenwurf zu Nutze macht. Wenn man also Schatten komplett vermeiden möchte, sollte man von beiden Seiten die gleichen Lichtquellen mit der gleichen Stärke exakt links und rechts gegenüber positionieren. Das Objekt wird von beiden Seiten gleich stark beleuchtet, die Schatten der jeweils anderen Lampe werden automatisch aufgehoben.





5. Die Oberflächenstruktur des Objekts beachten.

Jedes Objekt, das ausgeleuchtet wird, reflektiert und absorbiert Licht in unterschiedlicher Stärke und Intensität. Wie genau ein Objekt auf die Beleuchtung reagiert, ist ganz unterschiedlich und wird am besten im nachfolgenden Beispiel deutlich. Das Setup der Beleuchtung bleibt unverändert, wir nehmen nur drei von der Struktur, Form, Beschaffenheit und Farbe unterschiedliche Objekte:

Setup: Icelight rechts vorne, Softbox oben zentral

Setup: identisch. Die Lichtwirkung ist hier aufgrund der Oberflächenstruktur deutlich anders.

 

Setup: identisch. Vor allem der starke Schlagschatten fällt hier auf, der z.B. bei der Flasche mit dem gleichen Licht wegfällt.




Für dieses Tutorial kam zum Einsatz:


erstellt von Isabelle Bommes
Alle Bilder © Isabelle Bommes

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