Dienstag, 4. November 2014

Tutorial: Mit dem Teleobjektiv durch die Stadt

Architektur-Fotografie mit dem Teleobjektiv 

Wir waren mit einigen Teles, unter anderem, dem Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II Telezoom und mit dem Gegenstück von Canon, dem Canon EF 70-200mm f/2,8 L USM Telezoom für euch unterwegs um einige Beispiele zu sammeln, wie man ein Teleobjektiv außerhalb der üblichen Anwendungsbereiche einsetzen kann. Zumeist werden Architektur-Fotos mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen. Verwendet man stattdessen ein Teleobjektiv, kann man ganz andere Bildkompositionen erzeugen, die mit einem Weitwinkel nicht erreichbar sind. Die Einsatzmöglichkeiten eines Teleobjektivs rund um Stadtarchitektur werden wir euch in diesem Blogpost kurz näherbringen.

Allgemeine Perspektive

Mit einem Telezoom kann man auch die schwerzugänglichen oder eben weitentfernte Objekte ablichten. Auf 200mm Brennweite reingezoomt, erreichen wir hier schon mal die schön verzierten Fenster im 3. Obergeschoss eines klassischen Hauses. Durch die Dreiviertelansicht gewinnt das Bild auch an Dynamik. Man kann sich entsprechend einen schönen Fassadenauschnitt herausgreifen und aus verschiedenen Standpunkten mit der Bildwirkung experimentieren. Spielt auch mal mit dem vermeintlichen Horizont und dreht das Bild, wie im dritten Foto weiter unten zu sehen.

Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 200mm; 1/200 sec.; f/3,5; ISO 100
Nikon 24-120mm f/4G ED-IF AF-S VR II bei 120mm; 1/640 sec.; f/4; ISO 100
Canon EF 70-200mm f/2,8 L USM bei 150mm; 1/125sec; f/3; ISO 100

Man kann in diesem Zusammenhang viel mit variablen Bildwinkeln experimentieren und den Fotospaß oder auch Lernvergnügen mit einem gemütlichen Spaziergang durch die Stadt verbinden.

Tiefendarstellung 

Ein weiteres Merkmal des Teleobjektivs ist der schmale Bildwinkel. Wie ihr das zu Nutze machen könnt, zeigen wir erstmal im nächsten Bild, in dem wir die Linienstruktur der Fassade hervorheben wollten. Die Rillen ziehen sich in der Tiefe zusammen und geben eine schön geometrisch geordnete Ansicht. Zwar ist die Bildkomposition sicherlich ausbaufähig, zeigt es jedoch wie Tiefenstruktur bei einer langen Brennweite zur Geltung kommen kann. Auch im zweiten Bild sind die geometrische Ordnung sowie Tiefendarstellung die Hauptbestandteile des Motivs.
 
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 70mm; 1/80 sec.; f/2,8; ISO200
Nikon 105mm f/2,8G AF-S IF-ED VR Mikro bei 105mm; 1/40 sec.; f/4; ISO100

Der schmale Bildwinkel eines Teleobjektivs lässt die Komposition also um das Hauptobjekt zusammenschrumpfen. Somit eignet sich das Teleobjektiv hervorragend um Längsansichten von Häuserfassaden, enge Waldlichtungen oder auch Tunnel und Brücken abzulichten. Beim Weitwinkel würde viel mehr Umgebung ins Bild gelangen und somit die Tiefenstruktur des Hauptmotivs in der Fülle weiterer Objekte verlorengehen.
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 200mm; 1/80 sec.; f/2,8; ISO320
Nikon 24-120mm f/4G ED-IF AF-S VR II bei 120mm; 1/640 sec.; f/4; ISO 100

Ein Teleobjektiv bietet noch eine weitere interessante Möglichkeit der architektonischen Bildgestaltung in Bezug auf Tiefendarstellung, nämlich Objekte die eigentlich weit voneinander entfernt sind, kompositionstechnisch auf einer Ebene wirken zu lassen. Der Abstand zwischen der Dachkante im Vordergrund und der Kugel des dahinter stehenden Bauwerks wird hier zusammengepresst.
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 95mm; 1/500 sec.; f/3,5; ISO 100

Muster oder Patterns

Dadurch, dass man mit einem Tele eine vergrößerte Ansicht erhält, kann man sich auch komplett auf die Muster der Architektur konzentrieren. Hier eine Vorlage, wie man sie aus dem Webdesign kennen könnte. Wiederholende Muster einer realen Struktur, die für verschiedene Layout-Elemente, Dekorations- und Hintergrundgrafiken verwendet werden könnte. Durch den schmalen Winkel eines Teleobjektivs entsteht kaum eine Krümmung der Linien in der Ansicht und die geometrische Struktur wird geradlinig wiedergegeben.
 Canon EF 70-200mm f/2,8 L USM bei 200mm; 1/200sec; f/4,5; ISO 400
Und auch im nächsten Foto kommt ein Fassadenmuster hervor. Beide Gebäude tragen durch ihren ganz eigenen Stil ein Muster von Verzierungen. Darüber hinaus bringt die vertikale Teilung in der Mitte des Bildes ein weiteres, übergeordnetes Muster zum Vorschein.  
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 185mm; 1/80sec; F/2.8; ISO 200
Auch Balkone können interessante Texturen bilden, die mit einer kurzen Brennweite wohl kaum die gleiche Wirkung erzielt hätten.
Canon EF 70-200mm f/2,8 L USM bei 180mm; 1/80sec; f/4,5; ISO 100
Hinweis: Probiert auch mal Perspektiven aus, die wir im alltäglichen Leben so nicht zu sehen kriegen oder wahrnehmen würden. In der Stadt könnt ihr dazu auf Bänke steigen, auf Mauern klettern oder die Treppen hochsteigen um einen ungewöhnlichen Blickwinkel zu ergattern. Achtet dabei auf die Kamera, dass sie beim Klettern und Krabbeln nicht beschädigt wird.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Sehr schöne Lichtsetzungen kann man zur blauen oder auch goldenen Stunde erleben. Ein lichstarkes Zoom, hier ein Nikon Teleobjektiv mit maximlaer Blende F/2.8, kann in der Dämmerung dabei helfen das Zusammenspiel zwischen dem letzten Tageslicht und eingeschalteten Wohnungslichtern einzufangen ohne dabei gleich zum Stativ zu greifen.
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 70mm; 1/80 sec.; f/2,8; ISO 320
Eine weitere Nutzung für eine große Blende ist die klassische Hintergrundunschärfe. Diese kann in der Stadt jedoch auch mal als zentrales Thema des Bildes mitwirken. Das filigrane Stahlgeflecht ist hier zwar im Vordergrund und scharfgezogen, doch hat es eher die Rolle einer Kulisse und man richtet den Blick auf den weichgestellten futuristischen Bau dahinter. Wiederum wäre diese Art der Komposition mit einem Weitwinkel nicht darstellbar. Weitwinkelobjektive können auch generell weniger Hintergrundunschärfe abbilden.
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 200mm; 1/1600 sec.; f/3,5; ISO 100
Eine weitere Bildgestaltung durch eine schräge Perspektive verleiht dem Bild eine unausgegliechene Bewegung. Diese wird durch ein weichgestelltes Wolkenspiel womöglich noch aufgewertet.
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 100mm; 1/200 sec.; f/4,5; ISO 100
Habt ihr es erkannt? Richtig, das Haus im unteren Foto steht auf dem Kopf. Dadurch ergibt sich eine ungewöhnliche Perspektive für den Betrachter, da unser Auge normalerweise einen Bau so nicht ins Blickfeld bekommt. Man schaut oftmals automatisch etwas genauer hin um zu verstehen, was denn hier eigentlich vorgeht und beschäftigt sich mit dem Bild im Allgemeinen etwas länger. Eine Decke, wie im zweiten Bild, kann man schon mal in der minimalistischen Abbildung als Boden aussehen lassen.
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 70mm; 1/400 sec.; f/5; ISO 100
Nikon 105mm f/2,8G AF-S IF-ED VR Mikro bei 105mm; 1/25 sec.; f/3; ISO100

Ick gloob mir glotzt n Elefant an... Wenn man aufmerksam durch Berlin läuft, entdeckt man die eine oder andere Kuriosität.
Nikon 70-200mm f/2,8G AF-S ED VR II bei 200mm; 1/30 sec.; f/2,8; ISO 320
Fazit: Mit einem Teleobjektiv in der Stadt kann man nicht nur Porträts sondern auch interessante Detailsaufnahmen und außergewöhnliche Perspektiven der Architektur einfangen. Probiert doch einfach mal etwas anderes aus und spielt ein wenig mit der Perspektive, indem ihr die Kamera auch mal schräg haltet oder das Bild einfach umdreht. Haltet Ausschau nach ungewöhnlichen Bauten und kontrastreichen Motiven, die ein Foto wert sind. Wann habt ihr das letzte mal ein paar Architekturbilder in eurer Heimatstadt geschossen?

Eine Auswahl an Teleobjektiven für Canon und Nikon findet ihr bei uns im Verleih.

Erstellt von Andrei Belitski in Zusammenarbeit mit Mathias Manske
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