Montag, 1. September 2014

Fisheye-Objektiv Tutorial

Kreativ mit  Fisheye-Objektiven fotografieren

Fisheye nur für Spaßbilder?

Ein Fisheye-Objektiv ist nicht nur eine Spielerei für lustige Hunde- und Katzenbilder, die an der Linse schnüffeln. Vielmehr kann man damit durch gezielten Einsatz den Bildern eine effektvolle Perspektive verleihen oder durch Experimentieren verschiedene Aspekte hervorheben. Auch Profis arbeiten mit solchen Optiken, zum Beispiel für Architektur-Aufträge, sportliche Inszenierungen, oder einfach um der Kreativität seinen freien Lauf zu lassen. Man kann mit einem Fisheye-Objektiv natürlich einfach nur Spaß haben, aber auch sehr viel dazu lernen und einzigartige Fotowerke produzieren.
In unserem ersten Fisheye-Beispielbild ist gut zu sehen, wie der Kessel des alten Kesselwaggons tonnenförmig verzerrt wird, was dem Foto einen dynamischen Look verleiht und den Kessel optisch effektvoll ins Szene setzt. Aber schauen wir uns einmal an, was eigentlich ein Fisheye-Objektiv ausmacht.

Was ist ein Fisheye Objektiv?

Als Fisheye (Fischaugen) bezeichnet man Objektive, die eine ganz bestimmte Optik erzeugen können, zu erkennen sind sie an der meist stark gekrümmten Frontlinse. Die Optik besticht dadurch, dass alle gerade Linien, die nicht direkt durch die Bildmitte verlaufen, tonnenförmig verzerrt dargestellt werden, da die gekrümmte Frontlinse auch seitliches Licht auf den DSLR Sensor abbildet. Im folgenden Bild wird eine Seite der Säule in der Bildmitte korrekt dargestellt und rechts außen durch die Fisheye-Perspektive stark verformt.

Im allgemeinen liegt der Bildwinkel von Fisheye-Objektiven zwischen 140° und 180°  (Bei extremen Fisheye-Objektiven kann der Bildwinkel bis zu 220° reichen). Die Brennweite liegt dabei je nach Bauart typischerweise zwischen 4-10mm für die APS-C und 6-16mm für Vollformat-Sensoren. Fast alle bekannteren Kamera-Hersteller haben mittlerweile Fisheye-Objektive im Sortiment, aber auch Drittanbieter haben sich in diesem Segment etabliert.

Fisheye vs. Weitwinkel

Wenn wir schon die Brennweite angesprochen haben, zeigen wir euch als nächstes, dass man ein Fisheye bei gleichbleibender Brennweite nicht mit einem Weitwinkelobjektiv gleichsetzen kann. Der Bildausschnitt unterscheidet sich. Bei Fisheye Optiken ist mehr im Bild zu sehen als bei Weitwinkel-Objektiven, wie im nächsten Beispiel verdeutlicht wird.


Im Ausgangsbild ist der Fisheye Effekt gut zu erkenen, die Linien ausserhalb der Bildmitte verlaufen stark gekrümmt. Aufgenommen wurde es mit einem Sigma 15mm f/2,8 Fisheye Objektiv an einer Nikon D610.
Wenn man mit der Maus drüberfährt, sind bei gleichen Bildparametern an der Nikon D610 Vollformat-Kamera, und einem Weitwinkelobjektiv Nikon 14-24mm f/2,8, eingestellt auf 15mm Brennweite im gesamten Bild wenig gekrümmte Linien zu sehen. Das liegt daran, dass bei einem Weitwinkelobjektiv die Verzerrungen in der Optik ausgeglichen werden. Ein weiteres Beispiel mit den gleichen Objektiven und der Brennweite von 15mm, diesmal an einem relativ symmetrischen Bild, damit ihr ein besseres Gefühl dafür bekommt, wie sich die Abbildung in der Fisheye-Perspektive verändert.

Nachdem wir das Brennweiten-Problem veranschaulicht haben, gehen wir über zu den verschiedenen Arten von Fisheye-Objektiven.

Arten der Fisheye-Objektive

Unterteilt wird dabei in zirkulare Objektive (als Beispiel das Sigma 8mm f/3.5) und in Vollformat-Fisheyes (als Beispiel das Nikon 10.5mm f/2.8G AF DX ED Fisheye, das Sigma 15mm f/2,8 oder das Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM)
Tipp: Die Bezeichnung Vollformat-Fisheye bezieht sich nicht auf die Kompatibilität mit Vollformat (35mm) Kameras, sondern auf den sichtbaren Bildausschnitt. Mehr dazu weiter unten.

Zirkular-Fisheye

Beim Zirkular-Fisheye wird eine kreisrunde Aufnahme innerhalb des rechteckigen Bildes erstellt, da hier in allen Richtungen ein 180° Abbildungswinkel zustande kommt.
Tipp: Damit keine Bildteile beschnitten werden verzichtet man hier auf eine Gegenlichtblende, auch wenn diese vor der seitlichen Sonneneinstrahlung schützen würde, die unschöne Blendenflecken hervorrufen kann.

Hier zwei Aufnahmen, eine Tiefgarage (linkes Bild) und ein lichtdurchlässiges Glasdach (rechtes Bild) auf einer zirkularen Ansicht abgebildet. Aufgenommen mit einem Sigma 8mm f/3,5 auf einer Canon EOS 6D Kamera.

Vollformat-Fisheye

Im Gegensatz zum zirkularen Fisheye wird bei Vollformat-Fisheye-Objektiven das komplette Bild ausgefüllt, zumeist mit 180° in der Diagonale und den schon bekannten gekrümmten Linien. in der Horizontale werden bei dem hier genutzten Canon EF 8-15mm f/4 L IS USM  jedoch nur noch 142° auf den Sensor projiziert und das Bild wird nicht so extrem tonnenförmig verzerrt. (Siehe auch den Vergleich zwischen Weitwinkel und Fisheye weiter oben)

In diesem Beispiel werden die Objekte in den Außenbereichen des Bildes nicht so extrem verzerrt wie beim zirkularen Fischaugen-Objektiv. Ein weiteres interessantes Merkmal der Fisheye-Bilder von Motiven, die zum Objektiv gerichtet sind, kann, wie hier, eine 3D-Optik sein.
Tipp: Nehmt ein paar Bilder auf mit komplexen Objekten, die zur Kamera gerichtet sind und knapp an der Linse vorbeigehen. Genießt die Ansicht.

Architektur

Auch in der Architekturfotografie findet das Fisheye seine Anwendung und kann die unterschiedlichen Aspekte der Bauten zur Geltung bringen. Die nächsten vier Bilder wurden mit  einer Canon EOS 5D Mark III und dem Canon EF 8-15mm f/4 L IS USM bei 12-15mm Brennweite aufgenommen.

Hier wird eine Brücke in einer wellenartigen Bewegung dargestellt. Dies kommt vor allem durch die schräge Positionierung des Motivs zur Bildebene zustande. Es ist oftmals sehr spannend, sich die Veränderung der Perspektive bevor man durch den Sucher schaut, im Kopf vorzustellen. Eine Herausforderung und eine spannende Übung für angehende Fotografen, sich das Foto bewusst zu machen, bevor es entsteht.

Der Glasturm erlangt eine Eigendynamik durch die schwungvolle Perspektive.

Eine Decke im antiken Stil wirkt fast schon surreal in der Verbiegung einer Fisheye-Optik.

Das Rohr wird in diesem Stadtbild regelrecht nach links ausgeschweift und droht zu kippen.

Auch beim zirkularen Objektiv kann man Architektur anders darstellen und unwirklich wirkende Welten projizieren.

Sport

Das Fisheye Objektiv zeichnet in den meisten Fällen einen großen Teil des Hintergrundes scharf. Wenn sich das Hauptmotiv vor der Linse befindet, wird der Hintergrund jedoch viel kleiner dargestellt und der Blick des Betrachters wird automatisch auf das Hauptmotiv gelenkt. Im Vergleich dazu zeichnet ein Teleobjektiv bei Offenblende das Hauptmotiv scharf, während der Hintergrund in Unschärfe verschwindet. Somit kann das Fisheye-Objektiv eine kreative Alternative für Portrait- oder auch Sport-Aufnahmen sein.

In diesem Bild ist der Fahrer auf dem Skateboard das Hauptmotiv. Dadurch, dass sich das Skateboard nah am Objektiv befindet, wird es sehr viel größer als der Kopf des Fahrers dargestellt, während allerdings im gesamten Bild eine gleichbleibende Bildschärfe zu sehen ist. Das Skateboard drückt fast schon auf den Beobachter und würde man das Bild in Großdruck vor sich haben, könnte man unwillkürlich den Kopf einziehen wenn man unter dem Foto steht.

Dieses Bild wurde mit dem Canon EF 8-15mm f/4 auf einer Canon EOS 550D Kamera aufgenommen. Der Fluchtpunkt wird durch die Fisheye-Perskpektive noch stärker betont und die Skateboarder springen optisch aus dem Bild herraus. Die Dynamik der Bewegung wird dabei besonders hervorgehoben.

Portrait

Noch ein Beispiel vom improvisierten Skater Shooting, hier als Portrait.

Spezielle Portraits für Album Covers, Street sports, bestimmte Kleidungsstile können effektvoll mit einem Fisheye-Objektiv gelingen.

Natur

Hier ist die Schnecke ganz allein auf der Weltkugel, da die Horizontlinie an den Seiten nach unten gebogen wird und somit eine Perspektive entsteht, die den Untergrund als Weltkugel erscheinen lässt. Möglich ist das, da Fisheye-Objektive eine sehr geringe Naheinstellgrenze haben und somit auch teilweise als Makroobjektive eingesetzt werden können, wenn das Hauptmotiv nah genug vor der Linse ist.

Aufnahmen aus einem Park bringen eine außergewöhnliche Atmosphäre rüber.

Ein schönes Bokeh bei Hintergrundunschärfe kann man auch mit einem Fisheye erhalten, dabei wird im Gegensatz zu Makroobjektiven, die sich mehr im Telebereich positionieren, auch eine ganze Menge vom Umfeld im Bild eingefangen, und der Hintergrund wird durch die optischen Eigenschaften nach hinten gedrückt. In diesem Foto wird die Hervorhebung vom Hintergrund dadurch sogar soweit verstärkt, dass der Eindruck entsteht, die Blume schwebe in der Luft.

Fahrzeuge

Die leicht schräge Perspektive "verbiegt" hier das Moped und das Vorderrad wird nach links aus dem Bild gezogen. Das Heck des Mopeds ist noch nicht in Sicht. Auch wenn dieses Gefährt nur dasteht, hat man den Eindruck, dass es an dem Betrachter fast schon vorbeifährt.


Fazit: Hier wurde nur eine Auswahl an Einsatzgebieten von Fisheyes dargeboten, die zur Inspiration dienen kann. Die Anwendungsbereiche von Fisheye-Optiken sind sehr vielfältig, und es lassen sich neben den typischen Bildern wie: CD-Cover, Werbefotos, die den gewünschten Effekt als Stilmittel verwenden, Sportarten stilistisch inszenieren, auch schöne Portraits, Produktbilder, Architektur, Landschaft und noch einige andere Bereiche kreativ ablichten. Nicht umsonst werden diese auch von Profi- und Berufsfotografen genutzt.
Probiert es einfach mal selbst aus, und lasst eurer Kreativität freien Lauf.

Mitwirkende: Mathias Manske, Tom Burgas, Andrei Belitski
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